Virtuelles Wasser und der Wasserfußabdruck

Virtuelles Wasser – was ist das?

Wassernutzung pro Person in Deutschland am Tag inklusive verstecktem Wasser
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Wir kennen es aus unserem eigenen Lebensumfeld: Auf den Feldern wachsen Getreide, Kartoffeln und andere Feldfrüchte und benötigen bis zur Ernte der Früchte nur den Regen. Ganz anders sieht es im Garten aus: Viele Pflanzen würden dort unweigerlich verdorren, wenn wir sie nicht regelmäßig gießen würden. Dem Korn, den Kartoffeln, den Tomaten oder den Erdbeeren sieht man es aber nachher nicht an, wieviel Wasser sie bis zur Ernte gebraucht haben. Und genau dieses Wasser, das für Produkte aufgewendet wurde und danach nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung steht, nennt man „virtuelles Wasser“.

Das Problem lässt sich mit dem „versteckten Wasser“ auch im weltweiten Maßstab wiederfinden. Wenn zum Beispiel Frühkartoffeln aus Ägypten oder Israel in unseren Supermarktregalen landen, haben sie bereits einen riesigen Wasserbedarf verursacht. Denn Kartoffeln wachsen in Wüsten nur mit künstlicher Bewässerung.

Der Begriff „virtuelles Wasser“ wurde um 1995 vom englischen Geografen John Anthony Allan geprägt. Er ging bei seinen Studien zu den Wasserkonflikten im Nahen und Mitt-leren Osten der Frage nach, ob es wirklich sinnvoll ist, dass jedes Land alle landwirtschaftlichen Produkte anbaut. Wäre es nicht besser, bestimmte Produkte zu importieren, die anderswo ohne künstliche Bewässerung produziert werden können? Er entwickelte dafür die Methodik des „Wasserfußabdrucks“, den man auf einzelne Produkte wie auf Länder anwenden kann.

Der Wasserfußabdruck

Mit einem aufwändigen Rechenverfahren, dessen Einzelheiten wir uns hier ersparen wollen, kann man den Wasserbedarf für einzelne Produkte in einem Land errechnen. Eine große Rolle spielt dabei das Produktionsland: So benötigt man für die Herstellung von einem Kilogramm Weizen in der Slowakei 465 Liter Wasser, in Somalia dagegen 18.000 Liter.

Die in einem Land hergestellten und dort verbrauchten Produkte und der private Wasserbedarf zusammen ergeben den internen Fußabdruck eines Landes. Für Deutschland sind dies etwa 56 Milliarden Kubikmeter (zur Verdeutlichung: der Bodensee fasst 48 Milliarden Kubikmeter).

Zum internen Fußabdruck kommen diejenigen importierten Güter, die anderswo mit Wasser produziert wurden und für die das Land seine eigenen Wasservorräte nicht in Anspruch nimmt (externer Wasserfußabdruck). Deutschland importiert Güter mit einem Wasserbedarf von 62 Milliarden Kubikmetern. Gleichzeitig exportiert Deutschland Waren, hinter denen 39 Milliarden Kubikmeter Wasser stehen. Das exportierte virtuelle Wasser wird dann Teil des Wasserfußabdrucks der jeweiligen Länder, die die Waren erhalten. Für die internationale Vergleichbarkeit ist es sinnvoll, den Wasserfußabdruck pro Einwohner und Jahr zu ermitteln. In Deutschland beträgt der Wasserfußabdruck 1.927 Kubikmeter pro Kopf und Jahr – das sind pro Tag circa 4.000 Liter Wasserasserasser. Damit liegen wir im oberen Bereich der Wasserverbraucher und unter den Top 10 der Wasserimporteure!