Warum sich eine badische NaturFreundin mit den globalen Auswirkungen der deutschen Politik beschäftigt
Ursel Georg (67) ist im Landesvorstand der NaturFreunde Baden aktiv und hat dort unter anderem den Fachbereich NaturFreunde Global mitgegründet. Im Interview mit dem NaturFreunde-Mitgliedermagazin NATURFREUNDiN erklärt sie, was NaturFreunde Global bewirkt und warum die NaturFreunde ihre politische Heimat sind.
NATURFREUNDIN: Ursel, wie bist du NaturFreundin geworden?
Ursel Georg: Ich wurde hineingeboren. Mein Großvater war vor dem 2. Weltkrieg schon Gründungsmitglied unserer Ortsgruppe in Berghausen. Nach dem Krieg gründete mein Vater die Naturfreundejugend Pforzheim mit. Meine Mutter war in der Naturfreundejugend Berghausen und über die Naturfreundejugend haben sich beide auch kennengelernt. Urlaube habe ich als Kind in der „Jungen Familie“ verbracht, also in einer NaturFreunde-Gruppe, die Ferien für Familien mit wenig Geld organisiert hat. So wuchs ich in die NaturFreunde hinein und habe das nie bereut.
NaturFreundin zu sein ist eine Lebenshaltung. Nachhaltigkeit haben wir gepflegt, lange bevor das Wort in aller Munde war. Sanfter Tourismus war für uns selbstverständlich, bevor es den Begriff gab. Ich bin Pazifistin, ich lebe nachhaltig, bin achtsam. Für all das stehen die NaturFreunde und wir sind eine Solidargemeinschaft, achten aufeinander.
Du hast dich vielfältig politisch engagiert, bist aber parteilos.
Als junge Familienfrau mit zwei Kindern bin ich einst nach langen Überlegungen der DKP beigetreten, habe die Partei aber nach einigen Jahren schon vor dem Mauerfall wieder verlassen. Danach habe ich als Parteilose bei Kommunalwahlen für die SPD kandidiert, allerdings nie auf einem aussichtsreichen Listenplatz. Einige Sympathien hatte ich auch für die Linke. Aber engagiertes Mitglied bin ich bei den NaturFreunden, ich gehöre dem geschäftsführenden Vorstand der NaturFreunde Baden an. Das ist meine politische Heimat.
Aktiv bist du vor allem im Fachbereich NaturFreunde Global des Landesverbandes Baden.
Dort liegt der Schwerpunkt meiner inhaltlichen Arbeit. Wir hatten in Baden schon vor 15 Jahren Kontakt zu NaturFreund*innen in Senegal. Die besuchten uns, hatten Interesse an einer Zusammenarbeit. Es entstanden Partnerschaften und daraus hat sich später der Fachbereich Global in Baden entwickelt.
Unser Thema in Deutschland und in Senegal ist der Klimawandel. Uns in Deutschland geht es um die globalen Auswirkungen unserer deutschen Politik. Jeder Handelsvertrag, der von Deutschland oder von der EU abgeschlossen wird, hat Auswirkungen auf den Rest der Welt und wegen des wirtschaftlichen Machtgefälles oft negative Folgen im globalen Süden. Diese Folgen sind hierzulande selten bekannt.
Was sind bei NaturFreunde Global die Grundsätze der Zusammenarbeit?
Wir sind gleichrangige Partner*innen auf Augenhöhe. NaturFreunde Global will keine Entwicklungshilfe leisten. Wir maßen uns nicht an, den Partner*innen in Afrika zu sagen, was sie zu tun hätten. Unser gutes Leben löst im globalen Süden massive Probleme aus, aber uns geht es trotz Klimawandel noch ganz gut.
Doch in verschiedenen Regionen Afrikas ist bereits kein Ackerbau mehr möglich. Ausgetrocknete Böden versalzen. Anderswo bedroht der steigende Meeresspiegel Inselstaaten und die Einwohner*innen müssen sehen, wie sie klarkommen. Der Klimawandel ist eine der Fluchtursachen. Menschen fliehen vor dem Hungertod. Die fürchterliche Diskussion, wie viel Krieg in der Heimat für ein Asyl in Deutschland notwendig ist, blendet das einfach aus.
Auf dem letzten NaturFreunde-Bundeskongress habt ihr versucht, NaturFreunde Global auch auf Bundesebene zu institutionalisieren.
Daraus ist die Bundesfachgruppe NaturFreunde International entstanden. Die Bezeichnung wurde mit Blick auf die NaturFreunde Internationale (NFI) gewählt. Wir haben jährlich mehrere Fachgruppenkonferenzen, eine in Präsenz, zwei bis drei online. Die Institutionalisierung ermöglicht es, nun zusammen mit unseren Partner*innen Förderanträge auf Bundesebene zu stellen.
In Deutschland und ja auch international bestimmen die Leugnung des Klimawandels und rechtsradikaler, neoliberaler Egoismus zunehmend das politische Klima.
Das kann mich zornig und wütend machen, aber nicht entmutigen. Aufgeben ist keine Lösung. Die NaturFreunde müssen stärker Flagge zeigen. Wir sind kein einfacher Wanderverein, wir haben mehr zu bieten. Als die Einzigen, die das Ökologische und das Soziale schon immer zusammendenken, müssen wir mehr auf die Straße gehen. Und wir können etwas bewegen.
Interview: Jürgen Voges
(Dieses Interview ist bereits erschienen in NATURFREUNDiN 1-25, dem Mitgliedermagazin der NaturFreunde Deutschlands.)